Es gibt einen einfachen Test, ob ein Maler-Angebot in Biberach gut oder Pfusch ist: Lesen Sie nach, wie viel Platz die Vorarbeiten im Angebot einnehmen. Bei einem seriösen Angebot für eine Fassadensanierung machen Reinigung, Vorbereitung, Untergrund-Diagnose und Grundierung zusammen 30–40 % der Position-Anzahl aus. Bei einem schlechten Angebot steht da: „Anstrich Fassade pauschal" — und der Rest ist Fantasie.
Warum die Vorbereitung so viel ausmacht, und welche zwei Schritte besonders kritisch sind, erklären wir hier im Detail.
Warum nicht einfach drüberstreichen?
Die größte Versuchung bei einer Fassadensanierung — und der häufigste Fehler — ist: einfach drüberstreichen. Die alte Farbe sieht ja noch okay aus, der Putz steht halbwegs, also: Pinsel rauf, frischer Anstrich, fertig.
Das geht in 90 % der Fälle zwei Sommer lang gut. Dann zeigt sich:
- Algen wachsen wieder durch — der neue Anstrich hatte keine Chance, sich mit dem Untergrund zu verbinden
- Farbe blättert in kleinen Schuppen ab — der alte Anstrich war ölbasiert, der neue wässrig, sie reagieren chemisch
- Salze blühen aus und sprengen den ganzen Aufbau — wurden vorher nicht erkannt
- Risse, die wir nicht sanieren, schlagen nach 6 Monaten wieder durch
Vorbeugen kostet etwa 25 % mehr als „drüberstreichen" — aber dafür haben Sie statt 2–3 Jahren Standzeit am Ende 15–20 Jahre. Das ist der Unterschied zwischen Pfusch und Premium.
Schritt 1: Fassade abdampfen mit Hochdruck-Heißwasserstrahler
Bevor wir auch nur einen Pinsel auspacken, kommt die Fassade unter den Hochdruck-Heißwasserstrahler. Wir arbeiten mit professionellen Geräten (Kärcher HDS, Kränzle Therm), die heißes Wasser (60–80 °C) bei 150–200 bar Druck ausgeben.
Was das bewirkt:
- Algen, Moose und Pilze werden von der Oberfläche entfernt — inklusive der Wurzelhyphen, die normalem Reinigen widerstehen
- Loser Altanstrich blättert ab und kann gezielt entfernt werden
- Salzkristalle an der Oberfläche werden ausgewaschen (bei stärkerer Belastung brauchen wir aber zusätzlich Sanierputz, siehe unten)
- Schmutz, Pollen, Vogelkot werden komplett entfernt — eine saubere Grundlage für die nächste Schicht
Heißes Wasser ist hier entscheidend: Kaltwasser hat 30–40 % weniger Reinigungswirkung, weil Algensporen und Pilzhyphen Hitzewirkung brauchen, um wirklich abzusterben.
Schritt 2: Untergrund-Diagnose nach dem Abdampfen
Erst nach dem Abdampfen sieht man wirklich, was unter der alten Verkleidung verborgen war. Risse, die vorher harmlos schienen, zeigen sich plötzlich als konstruktive Brüche. Putz, der noch verbunden schien, hört sich beim Klopfen plötzlich hohl an.
Wir machen jetzt:
- Wischprobe — wie stark saugt der Untergrund?
- Klopfprobe — sitzt der Putz noch fest oder ist er hohl?
- Risskartierung — Spinnenriss, Schwindriss oder konstruktiver Riss?
- Salztest — bei Verdacht auf Ausblühungen
- CM-Feuchtigkeitsmessung — wie nass ist die Wand wirklich?
Die Erkenntnisse aus dieser Diagnose entscheiden über das richtige Grundierungssystem.
Schritt 3: Der Tiefengrund — das unsichtbare Geheimnis
Hier kommt der vielleicht unterschätzteste, aber gleichzeitig wichtigste Schritt einer Fassadensanierung: der Tiefengrund. Das ist eine flüssige, meist transparente Vorbehandlung, die in den Untergrund eindringt, ihn stabilisiert und die Saugfähigkeit egalisiert.
Was der Tiefengrund konkret macht
- Saugverhalten regulieren. Ein verwitterter Altputz saugt unregelmäßig: hier stark, dort kaum. Wenn wir direkt streichen, trocknet die Farbe an stark saugenden Stellen schnell auf, an wenig saugenden Stellen läuft sie und gibt Glanzflecken. Tiefengrund verbessert die Egalisierung, sodass die Endbeschichtung gleichmäßig wirkt.
- Untergrund festigen. Wenn der Putz oberflächlich kreidet (Pulver lässt sich abreiben), bindet der Tiefengrund die losen Partikel und schafft wieder eine tragfähige Schicht. Ohne Festigung würde die neue Farbe die alten Partikel mitreißen.
- Adhäsion erhöhen. Der nachfolgende mineralische Anstrich oder Silikonharzanstrich haftet auf dem Tiefengrund deutlich besser als auf rohem Putz. Standzeit-Gewinn: typisch 30–40 %.
- Diffusionsoffen bleiben. Premium-Tiefengründe wie Caparol Sylitol-Konzentrat oder einzA mineralit Grundiermittel bleiben vollständig diffusionsoffen — die Wand kann weiter atmen, kein Plastikfilm.
Welcher Tiefengrund wofür?
Wir wählen den Tiefengrund nach Untergrund-Diagnose. Drei Hauptkategorien:
Silikat-Tiefengrund (Wasserglas-Basis)
Beispielsweise Caparol Sylitol-Konzentrat oder einzA mineralit Grundiermittel. Verkieselt chemisch mit mineralischem Untergrund — die festeste Verbindung möglich. Pflicht-Wahl bei Silikat- und Sol-Silikat-Anstrichen.
Putzfestiger (für stark saugende, mürbe Untergründe)
Beispielsweise Caparol Dupa-Putzfestiger oder OptiSilan TiefGrund. Stark eindringend, festigt mürben Putz, bevor Silikonharz- oder Reinacrylatanstriche aufgebracht werden. Moderne Varianten sind wasserverdünnbar — lösemittelhaltige Versionen werden nur noch in Sonderfällen eingesetzt. Nicht mit Sol-Silikat kombinieren (chemisch unverträglich).
Spezial-Tiefengrund bei Salzbelastung
Beispielsweise Remmers Salzsperre oder spezielle Silikat-Festiger. Wenn die Salzbelastung zwar erkennbar, aber nicht extrem ist (kein Sanierputz nötig), bindet dieser Tiefengrund die Salze und verhindert ein Durchschlagen.
Schritt 4: Putzsanierung wo nötig
Wenn nach Abdampfen und Diagnose Schäden sichtbar werden, kommt jetzt die partielle oder vollständige Putzsanierung:
- Risssanierung mit elastischer Spachtelmasse (z. B. Caparol Cap-elast Riss-Spachtel) oder Armierungsgewebe bei größeren Rissen
- Putzergänzung bei abgeplatzten Stellen mit gleichem Material wie der Bestand (Kalkputz, Kalkzementputz, Mineralputz)
- Sanierputz bei Salzbelastung — Putz mit höherer Porosität, der Salze in sich speichert statt sie an die Oberfläche zu transportieren
- Sockelsanierung mit speziellem Sockelputz (höhere Wasserabweisung, Dauer-Feuchtebelastung im Erdreich)
Schritt 5: Erst jetzt — der Anstrich
Erst nach all diesen Vorbereitungen kommt die eigentliche Endbeschichtung. Das, was später jeder sieht. Aber ohne die ersten 4 Schritte würde der schönste mineralische Anstrich nicht halten.
Wir streichen typischerweise 2× oder 3×, je nach Untergrund-Kontrast und gewünschter Optik. Pro Schicht beachten wir:
- Wartezeit zwischen den Schichten — typisch 8–24 Stunden je nach Material und Wetter
- Temperatur und Luftfeuchte — wir streichen nicht bei < 5 °C oder > 30 °C oder bei direkter Sonnenbestrahlung
- Material aus einer Charge — leichte Farbton-Schwankungen zwischen Eimern werden vermieden
Wie Sie ein gutes Angebot von einem schlechten unterscheiden
Schauen Sie sich Angebote für Ihre Fassadensanierung in Biberach genau an. Achten Sie darauf, ob diese 5 Positionen explizit aufgeführt sind:
- Hochdruck-Reinigung Fassade mit Heißwasser (m²)
- Untergrund-Diagnose und Probefläche (Pauschal)
- Tiefengrund mit Produktangabe (z. B. „Caparol Sylitol-Konzentrat", m²)
- Risssanierung / Putzergänzung nach Bedarf (lfm bzw. m²)
- Endbeschichtung mit konkreter Marke und Produkt (m², 2× oder 3×)
Wenn nur Position 5 steht und die anderen fehlen — fragen Sie konkret nach. Ein seriöser Maler wird gerne erklären, warum welche Vorbereitung in Ihrem Fall sinnvoll ist (oder warum sie ausnahmsweise nicht nötig ist).




