Die häufigste Frage, die wir bei Fassaden-Vor-Ort-Terminen hören: „Können Sie das nicht einfach drüberstreichen?"Die ehrliche Antwort: ja, technisch geht das. Wirtschaftlich gesehen ist es aber meist die schlechteste Entscheidung — weil nach 2–3 Jahren wieder Schäden auftreten und Sie dann doppelt zahlen.
Eine Fassadensanierung beginnt nicht mit dem Pinsel, sondern mit der Diagnose. Wir machen das in jedem Erstgespräch, gerne erklärend für Sie als Hauseigentümer mit. Hier die drei wichtigsten Punkte, die wir prüfen.
1. Saugverhalten — kann der Untergrund noch Material aufnehmen?
Wir machen eine Wischprobe: feuchter Schwamm über die Wand, dann beobachten, wie schnell die Feuchte einzieht.
- Sehr saugend (Feuchte verschwindet sofort): Der vorhandene Anstrich ist verwittert oder gar nicht mehr vorhanden. Der Putz selbst muss neuen Anstrich aufnehmen — das geht, braucht aber einen Tiefengrund vor dem eigentlichen Anstrich.
- Mäßig saugend (Feuchte zieht in 30–60 Sekunden ein): Der Optimalfall. Standard-Vorbehandlung reicht.
- Nicht saugend (Feuchte bildet Tröpfchen, perlt ab): Der alte Anstrich ist noch dicht, oder es ist eine ungeeignete Dispersionsfarbe. Hier müssen wir je nach Befund entweder den alten Anstrich entfernen oder einen Spezialhaftgrund einsetzen, damit der neue Anstrich überhaupt hält.
Wer das Saugverhalten nicht prüft und einfach den nächsten Anstrich draufpinselt, kann böse Überraschungen erleben: Anstrich blättert nach 6–12 Monaten ab, oder hält gar nicht erst nach dem Streichen — kommt am nächsten Regentag schon runter.
2. Risse — die Wand zeigt, was sie braucht
Risse in der Fassade sehen erstmal alle ähnlich aus. Tatsächlich sind sie ein wichtiges Diagnose-Werkzeug — sie sagen uns viel über den Zustand des Untergrunds. Wir unterscheiden drei Typen:
Spinnen- oder Haarrisse (oberflächlich)
Sehr feine, netzartige Risse nur im Anstrich oder oberen Putz. Entstehen durch normale Witterung und Materialalterung. Lösung: Vorbehandlung mit elastischem Tiefengrund, danach normaler Anstrich. Diese Risse verschwinden im neuen Aufbau komplett — kein konstruktives Problem.
Schwindrisse (linienförmig, gleichmäßig)
Entstehen beim Aushärten von Putz oder Beton, oft kurz nach dem ursprünglichen Verputzen. Linienförmig, meist 0,3–1 mm breit. Lösung: Rissüberbrückendes System mit elastischem Spachtel und elastischer Farbe (z. B. Caparol Cap-elast). Hält 15+ Jahre, ohne dass die Risse wieder durchschlagen.
Konstruktive Risse (breit, evtl. mit Versatz)
Risse, die durch Bewegung im Bauwerk entstehen — Setzungen, Erdbeben- oder Wärmespannungen, oder im schlimmsten Fall durch konstruktive Schäden. Erkennbar an: deutliche Breite (> 1 mm), oft mit Versatz zwischen den Rändern, häufig über ganze Wandhöhe.
Hier hört Maler-Arbeit auf. Konstruktive Risse müssen erst durch einen Statiker oder Sanierungsplaner bewertet werden — wir streichen nicht einfach drüber, weil der Riss sonst nach kurzer Zeit wieder durchkommt und auch konstruktive Schäden sich verschlimmern. Wir sagen Ihnen das offen, auch wenn es bedeutet, dass wir den Auftrag erst nach Reparatur durch Dritte machen können.
3. Salzbelastung — der unsichtbare Feind
Vor allem bei Altbauten in Oberschwaben ein Thema: Salze (vor allem Nitrate und Sulfate) wandern aus dem Mauerwerk durch den Putz nach außen. An der Oberfläche bilden sie weiße Ausblühungen — und sprengen den darüber liegenden Anstrich ab. Das geht so weit, dass nach 1–2 Jahren der ganze frische Anstrich abblättert.
Wir prüfen das mit einer einfachen optischen Inspektion (gibt es weiße/gelbliche Ausblühungen?) und bei Verdacht mit einem Salztest (Spezialteststreifen, die sich verfärben). Wenn Salzbelastung vorliegt:
- Geringe Belastung: Sanierputz-System (z. B. Remmers SP) — speziell für salzbelastete Untergründe entwickelt. Speichert Salze im Putz statt sie an die Oberfläche zu transportieren.
- Starke Belastung: Putz bis auf Mauerwerk entfernen, Mauerwerk ausreichend lange auswaschen lassen, dann komplett neuer Sanierputz-Aufbau. Aufwändig, aber die einzige dauerhafte Lösung.
4. CM-Feuchtigkeitsmessung — wann ist der Untergrund trocken genug?
Nach Wasserschäden oder bei sichtbaren Feuchteproblemen messen wir mit dem CM-Gerät (Calciumcarbid-Methode) den tatsächlichen Feuchtegehalt im jeweiligen Baustoff. Der bekannte Grenzwert ≤ 2 % gilt für Zementestrich (Boden) — er ist die offizielle Belegreifeschwelle, ab der ein neuer Bodenbelag verlegt werden darf.
Für Wandputz und Mauerwerk gibt es keinen einheitlichen 2-%-Grenzwert. Je nach Putzart (Kalk, Kalk-Zement, Mineral) liegt die Trocknungsbeurteilung in einem anderen Korridor — bei Kalkputzen oft erst bei 4–5 % Massenanteil als bedenklich. Wir beurteilen die Wand deshalb nicht über eine starre Zahl, sondern über die Kombination aus CM-Wert, Material und Aufbau.
Diese Messung machen wir vor allem dann, wenn wir wegen Wasserschadensanierung gerufen werden — vor jeder Wiederherstellungs-Arbeit. Sie verhindert teure Doppelarbeit und stellt sicher, dass der Schaden nicht zurückkehrt.
Was bedeutet das für Ihr Angebot?
Wir dokumentieren die Diagnose im Angebot. Sie sehen schwarz auf weiß:
- Saugverhalten ist „mäßig saugend" → Standard-Tiefengrund
- Rissbild zeigt Haarrisse + 3 Schwindrisse → rissüberbrückendes System
- Keine Salzbelastung → kein Sanierputz nötig
- Empfohlenes Beschichtungssystem: Caparol AmphiSilan, 15 Jahre Funktionsgarantie
So wissen Sie genau, warum wir welches Material vorschlagen — und können bei einem Vergleichsangebot prüfen, ob der andere Anbieter dieselbe Sorgfalt walten lässt.




